Tipps für bessere Urlaubsfotos (Autofokus)

Autofokusumschaltung

Autofokusumschaltung

Wenn Du im Urlaub fotografierst, wirst Du in der Regel „scharfe“ Fotos machen wollen. (Aber lass Dich davon nicht versklaven. Manche Bilder sagen, gerade weil sie eine mehr oder weniger große Unschärfe aufweisen, mehr aus, als wenn alles bis ins Detail erkennbar ist.)
Egal was für eine Wirkung Du mit der (evtl. auch absichtlich nicht vorhandenen) Schärfe erreichen willst, Du wirst Dich im Bereich der Digitalfotografie mit dem Autofokus auseinandersetzen müssen. (Warum der manuelle Fokus oft keine echte Alternative ist, folgt weiter unten.)
Ich möchte jetzt hier zuerst einmal einige der grundlegenden Einstellungen erklären, die man an vielen Kameras wählen kann. Natürlich gibt es bei der großen Zahl verschiedener Kameramodellen viele Sonderfälle , aber es lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten feststellen.

Generelle Probleme

Eigentlich fange ich ja nicht gerne gleich mit den Problemen an, aber es gibt einige Dinge, an denen der Autofokus scheitern kann, und diese sollten vorab besprochen werden.

  • zu wenig Licht
    Der Autofokus der meisten Digitalkameras braucht Licht, damit er etwas erkennen kann. Wenn das Motiv dunkel (beleuchtet) ist, ist es für ihn schwierig bis unmöglich, überhaupt etwas zu erkennen. Dann kann ein Hilfslicht an der Kamera die Rettung sein, aber es kann auch das „Opfer“ warnen, blenden oder generell stören.
    Du kannst evtl. auch auf die „besseren“ Autofokussensoren ausweichen, die auch bei schwachem Licht noch scharf stellen können. Meist ist der mittlerer AF-Sensor der beste. (Wie man ihn auswählt, folgt später.) Die Alternative besteht sonst nur noch in manueller Fokussierung, soweit die Kamera das zulässt.
  • zu gleichmässige Oberflächen
    Wenn auf der Oberfläche, die der Autofokussensor anmisst, keine ausreichende Struktur zu erkennen ist, kann der AF nicht scharf stellen. Evtl. hilft dann ein gleich weit entferntes Ersatzobjekt, dass Du anvisierst. Wenn die Kamera dann fokussiert hat, hälst Du den Auslöser gedrückt und schwenkst zu Deinem Wunschaussschnitt zurück.
  • zu große Autofokusmessfelder
    Wenn Du im Zoo durch die Gitter oder beim Portrait einer/s Liegenden durch das Gras hindurch scharf stellen willst, wird der AF häufig die Gitterstäbe oder das Gras im Vordergrund anvisieren und das dahinter befindliche Motiv bleibt dann unscharf. Evtl. hilft die Auswahl kleinerer Autofokusmessfelder, aber das geht nicht an allen Modellen. Alternativ kannst Du es dann noch mit einer Ersatzmessung versuchen oder mit manueller Fokussierung.

Moduswahl

Viele Kameras stellen zumindest zwei unterschiedliche Autofokusarten zur Verfügung. Entweder ist der AF dann abgestimmt auf maximale Schärfe für eher statische Objekte oder auf hohe Trefferquote bei dynamischen, bewegten Motiven.
In den Szenenprogrammen wird der jeweils passende AF direkt von der Kamera ausgewählt. Zumindest ist er in den Fällen passend, in denen Du Bilder machen möchtest, die eher dem „Massengeschmack“ entsprechen. Im Sportmodus wird dazu dann auf einen dynamischen Autofokus umgeschaltet, im Landschafts- und Portraitmodus auf den eher statischen, aber auch zuverlässigeren, sicheren AF.

Wenn Du aber auf „Grün“ (also auf die Vollautomatik) und auf die Szenenprogramme verzichtest (warum das sinnvoll ist, kannst Du hier in diesem Blog lesen), musst Du den Autofokus aber selber wählen. Dazu gibt es in der Regel drei Grundeinstellungen.

Autofokus mit AF-S / S / One Shot

AF One Shot

AF One Shot

Der Modus für statische Motive heisst bei den meisten Herstellern „AF-S“ (für Single) oder auch nur nur „S“ oder „One-Shot“. Der Autofokus versucht in dieser Einstellung, auf das automatisch gewählte oder von Dir festgelegte (siehe weiter unten) Autofokusfeld zu fokussieren. Wenn der AF dann einmal die richtige Einstellung gefunden hat, bleibt er auf dieser Entfernung stehen.
Dieses Verfahren ist sehr genau, aber nicht für sich bewegende Motive geeignet, bei denen sich nach dieser ersten Fokussierung evtl. noch der Abstand verändert. Dein Hund, der auf Dich zu läuft und Dein Freund, der mit dem Fahrrad auf Dich zu fährt, werden da evtl. in die Unschärfe geraten. Ein weiterer Nachteil dieses Modus ist, das er Dich nur dann auslösen lässt, wenn er sicher etwas als scharf erkannt hat.
Bei Motiven, auf die der AF nicht scharf stellen kann (bzw. bei denen er die richtige Fokussierung nicht erkennen kann), blockiert dieser den Auslöser. So macht man dann keine unscharfen Fotos, indem man gleich gar keine Fotos macht. ;-) (Ernster Hintergrund: Für die Marketingabteilung der Kamerahersteller scheint ein nicht gemachtes Foto nicht so schlimm zu sein wie ein evtl. unscharfes Foto.)
Der AF-S / One Shot Modus ist für statische Motive (mit erkennbaren Kontrasten / Konturen / Strukturen gut geeignet, also die erste Wahl für Landschaften, Portraits, Architektur, Sachaufnahmen etc.)

AF-C / C / AI Servo

AI-Servo

AI-Servo

Bei Aufnahmen von bewegten Motiven ist AF-S / One Shot eher ungeeignet, speziell, wenn sich die Entfernung zum Objekt durch dessen Bewegung (oder auch die Bewegung der Kamera) verändert.
In diesen Fällen solltet Du besser auf „AF-C“ (für continous, kontinuierlich, heisst manchmal auch nur „C“) oder „AI Servo“ umschalten.
Die Kamera versucht dann koninuierlich zu fokussieren, so dass Entfernungsgänderungen bis zum Moment des Auslösens berücksichtigt werden. Manche Modelle errechnen sogar die während des Auslöseprozesses weiter stattfindende Entfernungsveränderung und planen diese bei der Fokussierung direkt mit ein.
Du kannst mit dieser Einstellung jederzeit auslösen, auch dann, wenn der AF nicht sicher ist, richtig fokussiert zu haben. Dadurch steigt natürlich aber auch die Gefahr unschärfer Bilder. Bei statischen Motiven solltest Du auf diesen Modus verzichten. Aber bei Sportmotiven und anderen Motiven mit kontinuierlich wechselnden Abständen zwischen Kamera und Motiv ist AF-C / AI Servo das AF Programm der Wahl.

AF-A / AF-AI / AI Focus

Mit künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligenz, das „AI“ im zweiten Begriff) wird die Automatik (das „A“ im ersten Begriff) versuchen zu entscheiden, welcher der beiden Modi, also AF-C /AF Servo oder AF-S / One Shot) der für das jeweilige Motiv der passende ist. Leider liegt diese Automatik oft falsch, deshalb verzichte ich darauf.

Was wählen?

Das hängt wie immer ganz davon ab. Wenn ich auf Reisen und im Urlaub Landschaften und Stadtansichten fotografiere, verwende ich meist AF-S bzw. One Shot. Das gilt auch für Portraits und Sachaufnahmen. Meine Tochter, die gerne bewegte Motive (speziell Hunde in schneller Aktion) fotografiert, wählt dafür meist AF-C bzw. AI Servo.

Pas de deux (Charlie und Keaton)

Pas de deux , ein Motiv für AF-C oder AI Servo

Fachwerk

Fachwerk,  ein Motiv für AF-S oder One Shot

Den Fokuspunkt auswählen

AF Automatische Messfeldwahl

AF Automatische Messfeldwahl

Die meisten Digitalkameras haben mehrere Autofokusmesspunkte. In der Grundeinstellung wählt die Kamera dann vollautomatisch das aus ihrer Sicht passende Autofokusfeld aus. In der Regel ist es das Messfeld, dessen Inhalt am nächsten an der Kamera ist. „Was vorne ist, ist wichtig!“, so scheint die Überlegung der Hersteller zu sein. Und dann wird im Zoo eben auf das Gitter und nicht auf den Löwen fokussiert.
Glücklicherweise kann man bei vielen Kameras auch selber den Fokusbereich auswählen. Das kann eines von mehreren Messfeldern sein, oder aber ein Bereich des gesamten Bildes, das ist abhängig von der jeweiligen Kamera und von ihrer speziellen Einstellung. Viele aktuelle Spiegelreflexkameras beherrschen dank Live View / Moviefunktion mehrere Messmethoden und stellen für diese auch unterschiedliche Messbereiche /-felder zur Verfügung. So haben viele DSLRs einen sogenannten Phasen-Autofokus, der sehr zielsicher und schnell arbeitet. Aber er kann nur die Bereiche messen, an denen in der Kamera spezielle Messzellen verbaut sind.
Die meisten Kompakt-, Bridge- und Systemkameras verwenden dagegen den meist etwas langsameren Kontrastautofokus, der mehr oder weniger im gesamten Bild die Schärfe anhand des Kontrastes messen kann. Auch hier gibt es meist die Möglichkeit, einen speziellen Bereich oder ein spezielles Messfeld anzuwählen. So kannst Du steuern, worauf die Kamera scharf stellt und den Fokus auf den Löwen legen.
Einige Kameras beherrschen sogar rudimentäre Formen der Motiverkennung und können auf Gesichter, ja manche sogar auf einzelne Augen fokussieren. Das erlaubt weitere Arten der Steuerung des AF.

AF Manuelle Messfeldwahl

AF Manuelle Messfeldwahl

An meiner DSLR ist der zentrale Autofokusmessbereich der beste (schnell und auch bei wenig Licht funktionsbereit), deshalb verwende ich in der Regel nur ihn. Um außermittige Bereiche fokussiert aufnehmen zu können, peile ich diese zuerst mit diesem mittigen Sensorpunkt an, fokussiere und schwenke dann zu meinem gewünschten Bildausschnitt zurück.
Je nach Schärfentiefe klappt das recht gut. Für schnell bewegte Motivdetails ist diese Methode aber nicht so gut geeignet, sie ist eher etwas für Landschaft, Architektur, Stadtansichten, Sachaufnahmen und zum Teil auch für Portraits.
Bei wenig Licht und vor allem vom Stativ (speziell bei meinen Kugelpanoramen und bei Sachaufnahmen), wechsle ich oft in den Modus „Live View„, in dem mir auf dem Display das Bild angezeigt wird, das der Sensor aktuell sieht. Dort habe ich eine Lupenfunktion zur Verfügung, mit der sich die Schärfe sehr gut überprüfen lässt und mit der ich auch von Hand ganz gut fokussieren kann.
Bei einigen (System-)Kameras kann man eine spezielle Funktion der Kantenverstärkung bei der Liveansicht verwenden. Wenn Du diese „Focus-Peaking“ genannte Technik einschaltest, werden scharf abgebildete Kontrastkanten im Monitorbild mit (weißen oder auch farbigen) Linien betont. Das ist nicht immer optimal umgesetzt und passt nicht für alle Situationen, ist aber eine schöne Alternative zur Überprüfung der Lage des Schärfebereichs.

Warum nicht manuell?

Mit den modernen DSLRs und Systemkameras kann man natürlich prinzipiell auch manuell fokussieren. Und mit einigen Kompakten und Bridge-Modellen geht das ebenfalls.
Aber ich würde Dir das nicht empfehlen. Die Sucher der modernen DSLRs lassen oft die Schärfe nicht gut erkennen, so dass man auf die Anzeige des Autofokusmoduls der Kamera angewiesen ist. Dann kann man auch gleich den AF verwenden.
Noch stärker sprechen aber die modernen Objektive gegen den manuellen Fokus. Als Zugeständnis an den Autofokus haben sie meist einen sehr leichtgängigen und kurzen Fokusbereich.
Das ist toll für den schwachbrüstigen Autofokusmotor, da muss er nicht so feste und lange drehen um zu fokussieren. Aber für den menschlichen „Motor“ ist das nicht so gut, man hat viel Einstellspiel und dreht schnell über den gewünschten Bereich hinaus.
In den meisten Fällen ist der manuelle Fokus also eher nicht zu empfehlen.
Aber es gibt Ausnahmen. Wenn Du „alte“, manuell zu fokussierende, Objektive einsetzt und die Kamera Dir am besten noch Fokus-Peaking und/oder eine Lupenfunktion anbietet, kann das manuelle Fokussieren richtig Spaß machen. Dann steht am Objektiv eine satt und präzise laufende Fokussierung mit recht langen Einstellwegen zur Verfügung, das kann dann richtig Spaß machen. ist aber eher was für fortgeschrittene Fotografen.



Deine Aufgabe

Um etwas Übung im Umgang mit dem Autofokus kommt man nicht umhin, speziell dann, wenn man sich nicht mit Allerweltsaufnahmen zufrieden geben möchte. Nutz die Zeit vor und im Urlaub, um Dich mit den unterschiedlichen Arbeitsweisen des Autofokus Deiner Kamera vertraut zu machen.

/ 04. Aug 2016

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