Schärfentiefe kontrollieren

Schärfentiefeskala

Schärfentiefeskala

Eigentlich ist es ja total simpel:
Eine kleinere Blendenzahl führt zu  kleinerer Schärfentiefe, eine größere Blendenzahl zu  größerer Schärfentiefe.
Aber wie groß ist die Schärfentiefe tatsächlich?

Das Thema Schärfentiefe lässt mich anscheinend nicht los. Vor fast drei Wochen habe ich ja bereits geschrieben, das leider nur noch an wenigen Kameras bzw. Objektiven Hilfsmittel zur vorherigen Einschätzung der im Bild zu erwartenden Schärfentiefe vorhanden sind.
Und dass an manchen Kameras/Objektiven solche Hilfsmittel zwar vorhanden sind, diese aber nicht auf das gestaltete Bild  ausgerichtet, sondern eher nur für Pixelpeeper tauglich sind (das kannst Du hier hier im Beitrag nochmal nachlesen).
Doch was kann man machen, wenn man den Umgang mit der Schärfentiefe erst noch lernen und deshalb die Schärfentiefe schon vor der Aufnahme beurteilen möchte?
Zu dieser Frage möchte ich Dir hier einige Antworten aus meiner Praxis geben.

Zuerst könnte ich natürlich die Abblendtaste einsetzen, die die Blende auf den für die Aufnahme gewünschten Wert schliesst und so bei vielen DSLRs und Systemkameras die Schärfentiefe im Sucher bzw. auf dem Display sichtbar macht. Doch leider wird das Bild dann oft so dunkel, dass ich die Schärfe nicht mehr eindeutig erkennen kann. Und bei vielen Kameras ist der Sucher dafür auch schlicht und einfach zu klein.
Als Alternative könnte ich einfach nach dem Auslösen auf dem Display nachschauen. Doch das dauert und das Ergebnis ist zum Beispiel bei prallem Sonnenlicht auch nicht so ohne weiteres zu beurteilen. Und es geht natürlich erst, nachdem ich das Foto gemacht habe. Um als Einsteiger die Zusammenhänge zu lernen, ist das durchaus praktisch, aber um die Schärfentiefe direkt richtig einzustellen, ist das als „Try & Error“-Verfahren doch etwas umständlich.

Schärfentiefe berechnen

Eine Alternative wären die verschiedenen Schärfentieferechner, die es als Webanwendung , aber auch als Smartphone-Apps gibt. (Hier geht es zu meinem eigenen online-Schärfentieferechner bei der Fotoschule-Ruhr.de) . Doch alle dieser Rechner (auch die auf meiner FSR-Seite) haben das Problem, dass sie durch die zentimetergenauen Angaben eine Präzision/Härte des Übergangs zwischen Scharf und Unscharf vorgaukeln, die so in der Praxis meist nicht zu finden ist. Mir gefallen deshalb die „alten“ Angaben wie sie früher an den Objektiven zu finden waren, besser.

Klassische Schärfentiefeskala

Klassische Schärfentiefeskala

Solche Skalen gibt es heute aber nur noch selten an den Objektiven. Ich habe mir deshalb die Schärfentieferechenscheiben gebaut, die Du hier für unterschiedliche Kameratypen herunterladen kannst. Der Vorteil dieser Scheiben ist, daß sie gleichzeitig für verschiedene Brennweiten geeignet sind. Doch dadurch benötigen sie auch eine gewisse Größe, die ich nicht immer transportieren möchte.
Gerade wenn ich mit kleinen Kameras unterwegs bin, möchte ich nicht diese großen Scheibe mitnehmen. Und mein Fast-Lieblingskamera Fuji X 100 hat eh nur ein Brennweite, da würde eine viel kleinere Skala ausreichen. Doch auch die kann man zu Hause vergessen (mir zumindest passiert so was häufiger).
Deshalb habe ich mir ein andere Lösung „gebaut“.

Die Schärfentiefetabelle auf der Karte

Eine simple Tabelle für die wichtigsten Entfernungsbereich und die am meisten verwendeten Blendenöffnungen reicht doch eigentlich aus. Und damit ich sie nicht zu Hause liegen lasse, lade ich sie einfach als Bild auf die Speicherkarte. Voilá!

Die Fuji hat eine Brennweite von 23mm an APS-C Sensor, das enstpricht im Bildwinkel etwa 35mm an Kleinbild, aber die Schärfentiefe ist größer. An anderen APS-C Kameras („Cropfaktor“ 1,5, also Pentax, Nikon, Sony, Samsung, und mit Einschränkungen auch Canon) sollte die Skala funktionieren, aber natürlich nur für 23mm Brennweite.
Schärfentiefentabelle für Fuji X 100

Schärfentiefentabelle für Fuji X 100

Klick einfach die Tabelle an, sie öffnet sich dann in voller Größe in einem schwebenden Fenster aus dem Du sie  direkt abfotografieren kannst. (Dabei die Belichtung um ca. 1 bis 1,5 Stufen verstärken, da der Hintergrund reinweiß ist).
(Übrigens: Da die Fuji einen internen Speicher hat, kann ich das Bild dahin verschieben und muss es nicht nach jedem löschen/formatieren der Karte neu aufnehmen.)

Mir hat diese Tabelle bisher immer gereicht, um die Schärfentiefe „vorzufühlen“. Schreib mir mal, ob Du damit was anfangen konntest, soll ich so etwas für andere Kameras und Objektiven auch vorbereiten?

Zum gleichen Thema:
Schärfentieferechenscheibe ablesen.
Wo ist die Schärfentiefe hin?

Übrigens, das Thema Schärfentiefe spielt eine große Rolle in meinen Grundlagenkursen zur Fotografie, sei es in dem eintägigen Intensivkurs Fotogrundlagen, sei es in dem zweitägigen Fotokurs, ebenfalls zu den Grundlagen (mit Exkursion auf Zeche Zollverein).

/ 25. Dez 2016

2 Gedanken zu „Schärfentiefe kontrollieren

  1. Laurent

    Bei vielen Kameras kann man auch den Live-View mit der Abblendtaste nutzen. Das Display zeigt das Bild dann um so viel heller an wenn man möchte, wie das Abblenden Licht wegnimmt. Zumindest bei Canon lässt sich das oft so konfigurieren.

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    1. Tom!Tom! Beitragsautor

      Hallo Laurent, danke für den Hinweis. Aber leider hat man so wieder das Problem mit der Sonne auf dem Display.
      Und ich fände es halt schön, die Schärfentiefe schon vorher einstellen zu können, um zum Beispiel mit Zonenfokus zu fotografieren.

      Antworten

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