„Made in Germany“ Besuch einer Ausstellung

Link zum der Ausstellung zugrunde liegenden Buch bei Amazon(*)

Gestern war ich im Museum Folkwang, um im Rahmen einer Kuratorenführung (durch den neuen Leiter der „Fotografischen Sammlung“, Florian Ebner) mehr über diese Ausstellung zu erfahren. Über den Fotografen Leonard Freed (1929-2006) wusste ich bisher so gut wie nichts (was sich als echte Wissenslücke herausstellte).
Er war der Sohn russischer Einwanderer in den USA. Nach einer graphischen Ausbildung entdeckter er mit 24 Jahre die Fotografie für sich und hatte das Glück (das gehört irgendwie auch immer dazu), Menschen zu treffen, die ihn auf diesem Weg bestärkten und unterstützten (u.a Edward Steichen und Alexey Brodovitch).
Schon als junger Mann reiste er nach Europa, auch nach Deutschland. Fotografisch dokumentierte er in erster Linie das Alltagsleben, nicht nur der Deutschen, sondern auch in den jüdischen Gemeinden verschiedener Städte in Europa. Aber auch in Amerika fand er seine Themen, u.a, zur Situation der Schwarzen und der Bürgererechtsbewegung („Black in White America“, 1967), aber auch zur Arbeit der Polizei in New York („Police Work“, 1980).

In den im Folkwang ausgestellten Bildern (ausschliesslich in schwarz-weiß) seines Buches „Made in Germany„(*) (von 1970) fiel mir als erstes die Art des Bildaufbaus auf. Er findet den Moment nicht nur im offen-sichtlichen Vordergrund, sondern auch die Hintergrunddetails sind häufig mit einbezogen (diese bilden dann eine Art zweite Ebene zum Bildverständnis), das ist ziemlich beeindruckend.
Wenn man sich etwas mit journalistischer Fotografie und Streetphotography beschäftigt, sieht man, dass er einige dieser Bilder recht bewusst angelegt und regelrecht geplant haben muss, indem er den Standort auswählte und dann auf den passenden Moment wählte, in dem sich die einzelne Elemente des Motivs zum Bild fanden. Diese Aufnahmen wirken dadurch, auch als Momentbilder, unauffällig-sorgfältig komponiert. (Ich bin gespannt auf die leider erst ab heute ausgestellten Kontaktbögen, daran kann man so ein Vorgehen oft noch besser erkennen.)

Auch die Texte zu den Bildern stammen von Freed. Es ist recht ungewöhnlich, dass Fotografen auch ihre eigenen Texter sind und diesen Teil der Arbeit auch noch so aussergewöhnlich gut machen.
Wenn man sich mit den Text(-auszüg)en aus dem Buch, die in der Ausstellung wie eine Art „Newsschnipsel“ unterhalb der Bilder hängen, beschäftigt, merkt man, dass Freed sich nicht nur für das Leben der Menschen im Nachkriegsdeutschland, sondern auch für ihre Geschichte und ihre Sprache interessiert hat.

Der Ausstellungskatalog ist ein Reprint des 1970 erschienen Buches „Made in Germany„(*).

Wer mehr über Freed wissen will, dem kann online nachgeholfen werden. (s.u.). Einige seiner Arbeiten als Mitglied der Fotografenagentur „Magnum“ (er war seit 1972 Vollmitglied)  finden sich auf der Website der Agentur. (Die scheint im Moment aber Datenbankprobleme zu haben.)

Außerdem gibt es einen Film aus der Reihe „Contacts“ über ihn.

Und ein Film über das der Ausstellung zugrunde liegende Buch gibt es auch.

In diesem Film kann man viele der Bilder sehen die in der Ausstellung sind. Aber Sie sollten sich damit nicht zufrieden geben. Im Museum sehen Sie keine Video-Kopien, sondern die Originale. Diese Vergrößerungen hat Leonard Freeds Frau als Vorlagen für den Druck des Buches ausgearbeitet. (Übrigens sind die Bilder auch technisch ganz hervorragend.)

Ab heute (der Postweg aus den USA dauerte etwas lange) werden im Museum Folkwang zusätzlich auch Kontaktbögen von Leonard Freed zu sehen sein. Das werde ich mir in den nächsten Tagen noch ansehen.
(Ich finde es ja schade, dass es digital keine „echten“ vollständigen Kontaktbögen mehr gibt. Siehe auch hier.)

Anmerkung:
Direkt nebenan  hängt eine Ausstellung mit Kinoplakaten von Hans Hillmann „Der Titel wird im Bild fortgesetzt“. Sehr interessant, da man solche Kinoplakate ja nur selten in Gruppen zusammenhängend (sic!) sehen kann und sich so die Handschrift eines Künstlers meist nur wenigen Interessierten zeigt. Hier kann man nun sehen, wie sich die Bildsprache des Künstlers über die Jahre verändert hat und er sich trotzdem treu blieb. Noch ein Grund für einen Besuch im Museum Folkwang in Essen.)

(*) wenn Sie über diesen Link den Ausstellungskatalog bestellen kostet Sie das keinen Cent extra, aber sie unterstützen mich, weil ich dann etwas Provision erhalte.

/ 30. Aug 2013

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