Fragen aus dem ARD-Morgenmagazin (Teil 5)

Tom! beim ARD Morgenmagazin

Tom! beim ARD Morgenmagazin

Bei meinem „Gastspiel“ im ARD-Morgenmagazin (in der Mediathek kann man sich einen meiner vier Livebeiträge ansehen) war es leider nicht möglich, alle Zuschauerfragen live vor Ort zu beantworten.
Die Antworten auf diese Fragen hole ich hier nach und nach nach.

Von Herrn Norbert W.:
„Ich habe eine Spiegelreflexkamera von Canon mit eingebautem Blitz. Trotzdem bin ich sehr unzufrieden mit den Aufnahmen in Räumen (Vordergrund hell, Hintergrund zu dunkel). Müsste ich ein zusätzliches Blitzgerät haben und wenn ja, welches empfehlen Sie?“

Die beschriebenen Probleme sind tatsächlich typisch für den Blitzeinsatz. Der Helligkeitsabfall ist zwar unschön, aber ganz normal. Physikalisch gesehen ist es bei einer punktförmigen Lichtquelle üblich, das die Lichtintensität im Quadrat der Entfernungsveränderung abnimmt. Die Fläche, die beleuchtet wird, wird entsprechend größer. Bei doppelter Entfernung kommt dann nur noch ein Viertel, bei dreifacher Entfernung nur noch ein Neuntel und bei vierfacher Entfernung nur noch ein sechzehntel des Lichtes auf das entsprechende Motivdetail.

Ein Problem beim Blitzen, der entfernungsbedingte Helligkeitsabfall

Ein Problem beim Blitzen, der entfernungsbedingte Helligkeitsabfall

Ein Beispiel
Eine Tischgesellschaft bei einer Hochzeitsfeier soll fotografiert werden. Die Gäste sitzen an einer 8 m langen Tafel und wir fotografieren den Tisch von der Kopfseite herunter. Ganz nah an der Kamera (genauer: am Blitz) sitzt Tante Erna. (Abstand 1 m). In 2 m Entfernung sitzt die Braut, 3 m entfernt ist der Bräutigam und Brautpaar, am anderen Ende der Tafel, 4 m weit weg, Onkel Kurt. Wenn Tante Erna richtig belichtet wird, ist die Braut schon deutlich dunkler, der Bräutigam wird dann richtig dunkel und Onkel Kurt verschwindet im Schwarz.

Dieser Helligkeitsabfall tritt immer auf, egal ob  man manuell fotografiert oder die Blitzautomatik benutzt. Auch eine Veränderung der Blitzleistung – manuell oder per Korrektur der Blitzautomatik – ändert nur die Gesamthelligkeit des Blitzlichtes, aber nichts an den Verhältnissen zwischen den einzelnen Werten.

Was hilft gegen den Helligkeitsabfall beim Einsatz von Blitzlicht?

Ein ganz profane Lösung, die oft übersehen wird: nicht längs einer solchen Tafel blitzen, sondern quer dazu! Dann sind alle Personen ungefähr gleich weit vom Blitz entfernt und so auch in etwa gleich hell.
Aber das ist ja schon fast gemogelt. Was kann man denn machen, wenn man die Position nicht verändern kann?

Die einfachste Methode ist das indirekte Blitzen, bei dem man den Blitz nach oben richtet. Dort sollte sich eine weiße Raumdecke befinden, die das Licht des Blitzes zum Motiv zurückwirft.
Die Beleuchtung kommt jetzt von der Zimmerdecke, von der alle Personen des obigen Beispiels ungefähr gleich weit entfernt sind. Gleiche Entfernung bedeutet gleicher Helligkeitsabfall und so gibt es keinen Unterschied mehr in der Beleuchtung. Onkel Kurt wird so hell wie Tante Erna.
Mit dieser Technik ist übrigens nicht nur das Problem mit dem Helligkeitsabfall gelöst, sondern es wird auch weniger Gefahr bestehen, dass „rote Augen“ auftreten. Und auch die hässlichen Schattenkonturen verschwinden.


Aber Vorsicht, die Decke sollte nicht zu hoch sein, das raubt Leistung.
Und sie sollte möglichst weiß sein. Wenn die Decke bunt ist, wird das Licht eingefärbt. Bei einer holzgetäfelten Decke kann das schnell so aussehen, als wäre das weiße Brautkleid in Karamellcreme getaucht worden. Mit Einschränkungen kann man so etwas zwar nachträglich über den Weißabgleich korrigieren, aber es wird evtl. besser sein, in so einer Situation nicht nach oben, sondern zur Seite auf eine hoffentlich weiße Wand zu blitzen.

Was geht noch?

Andere Problemlösungen bestehen in einer anderen Position des Blitzes, der evtl. über Funk gesteuert von einem Schrank blitzen kann. Man kann auch versuchen, mehrere Blitze einzusetzen oder längere Verschlusszeiten verwenden (um das Umgebungslicht mit dem Blitz zusammen zu nutzen).
Oder man kombiniert das alles.
Aber alle diese Verfahren sind nicht so einfach zu handhaben, man muss erst Erfahrungen sammeln.
Das indirekte Blitzen ist dagegen ist einfach zu erlernen, man muss es einfach ein paar mal in unwichtigen Situationen trainieren. Dann gewinnt man mit relativ wenig Einsatz eine drastische Verbesserung der Ergebnisse.

Nachteile

aufhellpappe_030_3093_©_Tom_Striewisch

An alten Blitzgeräten kann man sich manchmal mit einem festgeklemmten Päppchen behelfen, um Leben in die Augen der „Opfer“ zu bekommen

Das Licht kommt beim des indirekten Blitzen recht suppig von oben und gerade im Nahbereich können die Augen dann leblos in Schatten versinken. Dagegen hilft ein kleines weißes Blättchen hinter dem Blitzreflektor, dass die Augen mit einem lebendigen Reflex versieht.  Solche kleinen weißen Tafeln aus Plastik haben viele Blitzgeräte bereits fest eingebaut. Man kann sie einfach in Position schieben/ziehen.

Leider kann man den in die Kamera eingebauten Blitz nicht drehen oder neigen, das heißt, ein zusätzliches Blitzgerät muss her. (Alternative ISO )

Alternative ISO?
Der ISO-Wert steuert die Empfindlichkeit der Kamera. Jedes mal, wenn man den ISO-Wert verdoppelt (von 100 auf 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400, 12800, 25600, …) braucht die Kamera für ein gleich helles Bild nur halb so viel Licht wie vorher. Mit einem ausreichend hohen ISO-Wert könnte man also theoretisch aufs Blitzen verzichten.
Ein niedriger ISO-Wert (z.b. 100) sorgt für gute technische Bildqualität. Höhere ISO-Werte (z.B. 1600) machen die Kamera zwar empfindlicher, aber sie verschlechtern die technische Bildqualität, es kommt Rauschen in die Bilder. Da man Rauschen meist vermeiden möchte, lautet die einfache Regel: „Nimm einen ISO-Wert, der so niedrig ist wie möglich, ohne dass Du unterbelichtete oder verwackelte Bilder erhältst.“
Aus diesem Grund setzt man einen höheren ISO-Wert als Ersatz fürs das Blitzlicht nur ein, wenn die Vorteile das Rauschen überwiegen.
Mehr Infos zu ISO im Fotolehrgang im Internet
Ein Tipp Tipp gegen das Rauschen auf den Tipp-Seiten der Fotoschule-Ruhr.deTipp-Seiten der Fotoschule-Ruhr.de.

Und so ein Blitzgerät ist leider nicht ganz preiswert. Es gibt gute Geräte auch von Fremdherstellern, die dann aber manchmal in der Bedienung etwas sperriger sind als die Originalmodelle.
Ich würde auf jedem Fall zu einem Gerät mit hoher Leistung (Leitzahl) raten, da beim indirekten Blitzen schnell größerer Entfernungen zu überbrücken sind.
Wenn man sich nicht sicher ist, auf was man alles achten sollte, empfiehlt es sich, ganz pragmatisch ein Gerät im Freundeskreis zu leihen. dann merkt man meist schnell, was man haben (oder nicht haben) möchte.



Konkrete Empfehlungen für ein spezielles Gerät werde ich nicht geben, dazu sind die Ansprüche und die Größen der Geldbeutel zu unterschiedlich. Aber hier finden Sie eine Zusammenstellung verschiedener Modelle bei Amazon, die in Frage kämen. (Wenn Sie darüber etwas bestellen, erhalte ich eine kleine Provision.)

Links zum Thema:
Weiterführende Informationen zum Thema Blitzlicht  im „Fotolehrgang im Internet“
Mein Praxiskurs an einem Abend zum Thema Kompaktblitz in der Fotoschule-Ruhr.de.

Zu Teil 1 der Reihe
Zu Teil 2 der Reihe
Zu Teil 3 der Reihe
Zu Teil 4 der Reihe
Zu Teil 5 der Reihe

Wird fortgesetzt….

/ 05. Aug 2016

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