Firmware-Update bei Olympus OM-D E-M1

Tethering Software Olympus Capture

Tethering Software Olympus Capture

Ich schimpfe in meinen Fotokursen (und auch an anderen Stellen) ja immer mal wieder gerne über die Kamerahersteller, die ihre Produkte mit „unreifer“ Software ausliefern und so den Kunden mögliche Funktionen (absichtlich?) vorenthalten.
Natürlich kann der Hersteller die Hardware der Kamera nicht mal eben schnell nachträglich austauschen, aber es gibt evtl. sinnvolle Funktionen, die sich durch eine Anpassung der Kamera-Software („Firmware“) ergänzen lassen. Bei vielen Hersteller wird dieser Bereich des Service aber leider sehr stiefmütterlich behandelt.
Ich finde das sehr ärgerlich und nehme da auch kein Blatt vor den Mund – aber man sollte auch loben, wenn es etwas zu loben gibt.
Und so möchte ich jetzt Olympus positiv erwähnen, die für die schon seit fast einem Jahr im Handel befindliche Olympus E-M1 (*) ein Firmware-Update herausgebracht hat.
Dabei handelt es sich nicht um eine Fehlerbeseitigung, das wäre der Erwähnung nicht wert, sondern die Kamera hat zusätzliche Funktionen bekommen, so eine Live-Composite genannte Einstellung, die bei Langzeitbelichtungen und Experimenten mit Licht neue Möglichkeiten bietet.

Live-Composite

Eigentlich ganz simpel und naheliegend: nachdem eine erste Grundbelichtung aufgenommen wurde, werden in der (den) weiteren Belichtung(en) desselben Bildes nur noch die Bereiche aktualisiert, die heller sind als in der Grundbelichtung.

Hat man ein Motiv mit einer veränderlichen Beleuchtung und fotografiert es mit einer Grundbelichtung von z.B. drei Sekunden, so werden mit Live-Composite nach und nach (bis zum manuell frei eingeleiteten Ende der Belichtungsphasen) weitere drei-Sekunden-Belichtungen addiert. Es werden dabei aber nur die Bereiche im Bild verändert, die in den jeweiligen Belichtungsintervallen mehr Licht als in einem der vorangegangenen Zeitabschnitte erhalten haben.

Alle Belichtungen werden in einer Bilddatei zusammengefasst, finden also quasi auf ein und dasselbe digitale Bild (RAW und/oder JPEG) statt. (Hier habe ich einen kurzen Film dazu veröffentlicht.)

Wofür ist das nötig?

Bei einem Dämmerungsbild mit Lichtstreifen von Autoscheinwerfern kann man mit dem Grundbild die Helligkeit des Umfeldes festlegen. Durchs Bild fahrende Autos erzeugen dann mit Ihren Lampen Lichtbänder. Wenn in dem Zeitfenster der Belichtung nicht genug Fahrzeuge durch Bild fahren, kann man mit Live-Composite in einer oder mehreren weiteren Aufnahmen noch mehr Lichtstreifen dem Bild hinzufügen.
Das war bisher so nicht möglich. Man hätte für mehr Lichtstreifen das Bild ja länger belichten müssen. Durch diese verlängerte Belichtungszeit würde auch das Umfeld weiter belichtet und so zu hell werden.
In solchen Fällen konnte man ähnliche Ergebnisse nur durch das späterer Kombinieren mehrerer Einzelbilder erreichen. Diese wurden in der Bildbearbeitung übereinander gelegt und dann überblendet.
Mit Live-Composite ist das bereits in der Kamera möglich.

Tethering

Zusammen mit der seit einigen Tagen für Mac und Windows erhältlichen Software Olympus Capture kann die Kamera nun vom Rechner ferngesteuert werden („Tethering“). Das eröffnet gerade im Still-Life-Studio vielfältige Möglichkeiten, die Aufnahmen besser und vor allem auch bequemer zu kontrollieren.
Zum Download Olympus Capture

Es ist oft einfacher, die Kameraeinstellungen vom Rechner aus vorzunehmen, statt direkt an der Kamera. Denn auch mit schwenkbarem Display muss man bei der Einstellung an der Kamera gelegentlich doch einige Verrenkungen machen, um die Anzeigen kontrollieren zu können.

Ich verwende Tethering (bisher mit einer anderen Kamera) häufig wenn ich eine große Menge planer Vorlagen, von Pattencovern bis hin zu alten Negativen und Dias Reproduzieren möchte. Für die Belichtungseinstellungen und die Fokussierung muss ich dadurch nicht mehr an die evtl. am Reprogestell sehr hoch angebrachte Kamera.  Gerade die Möglichkeit der präzisen und leicht zu überprüfenden Fokussierung vom Rechner aus ist da ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Ich halte die EM-1 zwar nicht unbedingt für eine klassische Studiokamaera (bei der eine solche Möglichkeit zur Fernbedienung von wirklich entscheidender Bedeutung für den Anwender sein kann), aber es ist doch ein netter Zug vom Hersteller, mir auch noch nachträglich und kostenlos für eine bereits verkaufte Kamera Erweiterungen der Funktionen und Einstellmöglichkeiten zu liefern.
Weiter so!
(Wie wäre es z.B mit kabellosem Tethering mit dem WLAN-Modul der Kamera? ;-)  )

Und Deine Kamera?

Was macht der Hersteller Deiner Kamera(s)?
Lieferte er Dir auch neue, erweiterte Funktionen nach?
Was fehlt Dir an Deiner Kamera?

(*) Dies ist eine sogenannter Affiliate Link. Wenn Du hierüber etwas kaufst, erhalte ich eine paar Prozente, ohne dass Du mehr bezahlen musst. Klassisches Win-Win also. ;-)

/ 09. Mai 2016

Ein Gedanke zu „Firmware-Update bei Olympus OM-D E-M1

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