Drei Fotoausstellungen in einer Woche

Museum Küppersmühle DuisburgSeit dem letzten Samstag habe ich drei (eigentlich sogar vier) Fotoausstellungen besucht. Schon fast ein bisschen viel, aber auf der anderen Seite erlaubt das auch den einen oder anderen Vergleich.
Persönlich am besten gefallen hat mir die Ausstellung, in der ich vorgestern war. Und das war eigentlich gar nicht so geplant. Aber dazu später mehr, zurück auf Anfang.
Am letzten Samstag war ich in der Doppelausstellung BARBARA KLEMM / STEFAN MOSES im Museum Küppersmühle in Duisburg. Diese Fotoausstellung hat mich nicht so angesprochen, was aber sicher persönliche Gründe hat.
In beiden Ausstellungsbereichen wurden in erster Linie Porträtaufnahmen gezeigt. In den meisten Fällen waren es Portraitaufnahmen von Prominenten, Schriftstellern, Künstlern, Schauspielern, Politikern usw..
Und genau solche Portraits interessieren mich persönlich eher weniger. Es gibt Ausnahmen, die Portraits die Irving Penn von Schriftstellern, Musikern etc. gemacht hat finde ich sehr spannend, aber die Prominentenportraits sowohl von Barbara Klemm als auch von Stefan Moses waren für mich nicht so interessant. Sicherlich ein eher persönlicher Punkt. ;-)
Trotzdem hat sich auch für mich der Besuch der Ausstellung gelohnt. Im Bereich der Fotografin Barbara Klemm wurden auch ihre Aufnahmen zum Thema „Menschen im Museum“ gezeigt. Und die gefielen mir wirklich gut. Es handelt sich dabei, salopp gesprochen, um eine Art Indoor-Streetphotography. Gute Bilder, die ich mir gleich mehrfach angesehen habe.

Auch bei Stefan Moses gab es Fotos, die ich viel interessanter fand als seine Prominentenbilder. Es handelt sich um inszenierte (Gruppen-)Portraits von Bewohnern der ehemaligen DDR aus den Jahren 89,90 und 91. Diese Bilder waren überwiegend vor Ort vor einem neutralen grauen Stoffhintergrund aufgenommen (das erinnerte mich wieder an Irving Penn ;-) ). Mir haben diese Bilder sogar körperlich recht gut das Gefühl vermittelt, das ich selber auch bis Mitte der 90iger bei Besuchen in den „fünf neuen Ländern“ hatte. Irgendwie war alles etwas staubiger und lehmiger.
Wohlmöglich interpretiere ich da jetzt zuviel hinein, aber spannend fand ich, dass alle diese Aufnahmen die Personen in eher diffusem Licht zeigten. Im Gegensatz dazu hingen dann im gleichen Raum zwei Gruppenportraits von Umsiedlern, die mit Sonne im Rücken und kräftigem Aufhelllicht (Reflektor oder Blitz) gezeigt wurden. Ich bin mir nicht klar, ob das Absicht war, aber es fiel mir sofort ins Auge und lässt natürlich viel Raum für Interpretationen.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat dazu noch Gelegenheit, diese Ausstellung läuft noch bis zum 18.01.15)

Villa Hügel

Drei Tage später war ich dann in der Villa Hügel in Essen und hab mir die Ausstellung „Wirtschaft! Wunder!“ angesehen. Es handelt sich um eine Reihe von Bildern unterschiedlicher Fotografen, darunter Hilmar Pabel, Albert Renger-Patzsch, Robert Lebeck, Erich Lessing und der erst vor wenigen Wochen verstorbene Rene Burri.
Die verbindende Klammer der Fotografien  ist der Zeitraum des Wirtschaftswunders (in der Ausstellung werden Bilder von 1949 bis 1967 gezeigt) und der Ort, das Ruhrgebiet, und der Name Krupp. Es handelt sich überwiegend um Fotos, die im Rahmen von Reportagen über die Firma Krupp entstanden sind, sowohl im Auftrag von Zeitschriften als auch im Auftrag der Firma selber.
Auch unabhängig von Lokalpatriotismus war die Ausstellung für mich wirklich sehenswert, weil ich mich schon beruflich bedingt für diesen Bereich der klassischen Sozial- und Industriereportage interessiere. (Diese Ausstellung endet leider schon am 23.11.)

Chargesheimer im Ruhrmuseum

Ruhr Museum Essen

Ruhr Museum Essen

Am Mittwoch stand bei mir für den frühen Abend ein Besuch auf Zeche Zollverein auf dem Plan. Im Ruhr Museum werden zur Zeit Bilder von Chargesheimer gezeigt, die er im Rahmen der Arbeit am Buch „Im Ruhrgebiet“ aufgenommen hat. Dieses Buch entstand in Koproduktion mit dem ebenfalls aus Köln stammenden Schriftsteller Heinrich Böll, der die Texte im Buch schrieb. Es löste zu seiner Zeit im Ruhrgebiet ein kleinen Skandal aus, denn die Bilder zeigten überwiegend nur die zu seiner Zeit als hässlich empfundenen Stellen.
Der Essener Oberbürgermeister damals: „Die Ruhrgebietsstädte sind es gründlich leid, von Außenseitern in einer Weise dargestellt zu werden, die nicht einmal mit der Realität der Gründerjahre übereinstimmt, geschweige denn mit der Gegenwart.“)
Heute ist der Blick auf die Bilder ein anderer, mancher wird die Ausstellung gar mit Wehmut betrachten.
Für den Mittwochabend war ein Vortrag von Stefanie Grebe angekündigt. Sie ist die Kuratorin dieser Ausstellung und mit Ihrem Vortrag gab sie Einblick in die der Ausstellung vorangehende Arbeit des Sichtens, Wertens und Zusammenstellens.
Dabei gab es Informationen über die Arbeitsweise Chargesheimer, der anscheinend eher etwas nachlässsig mit seinen Bildern umging. So lässt sich dass Titelbild des Buches heute weder als Negativ noch als Originalprint finden, einzig das Buchcover selber kann noch für Reproduktionen genutzt werden.  Auch etwas präzisere Ortsangaben etc. sucht man wohl vergeblich und Kontaktbögen gibt es anscheinend leider ebenfalls nicht. Sehr schade, mich hätten solche Informationen über seine Vorgehensweise vor Ort sehr Interessiert.
(Warum ich Kontaktbögen so wichtig finde, habe ich hier in meinem „Fotolehrgang im Internet“ beschrieben.)
Doch glücklicherweise gab es im Vortrag Hinweise auf die Arbeit Chargesheimers. Er hat sich mit seiner 6×9-Laufbodenkamera von Linhof wohl eher ziellos treibend durch das Ruhrgebiet bewegt und dabei unterschiedliche Startorte gewählt. Das macht es im Zusammenhang mit der nicht sehr sorgfältigen Verschlagwortung und Verortung der Bilder in manchen Fällen schwierig, den Bildern Standorte zuzuweisen. Schade, denn das ist ja bei so einem geographisch abgegrenzten Projekt aus einer Sozial- und Industriegeschichtlich wichtigen Zeit eine durchaus wichtige Information.

Chargesheimer war mit der Kamera und seiner eher eleganten Kleidung bei einer Größe von über 1,90m sicherlich niemand, der versteckt in den Wohnvierteln, Gaststätten, Einkaufsstraßen etc. fotografieren konnte. Trotzdem sieht man auf den Bildern, dass er nicht nur aufgenommen hat, sondern auch von den Menschen im Ruhrgebiet „aufgenommen“ wurde.
Ob er heute noch die gleichen freundlichen Gesichter fotografieren könnte, wage ich zu bezweifeln. (Gerade auch in Zeiten, in denen der Gesetzgeber bestimmte Formen der Fotografie mit zusätzlichen Klagemöglichkeiten bedroht und damit die Menschen wohlmöglich zusätzlich negativ sensibilisiert.)
Doch zurück zum Vortrag, ich verstehe nicht, wie bei einem Einzugsgebiet in der Größe des Ruhrgebiets bei so einer (auch noch kostenlosen) Veranstaltung zur Fotografie nur einige wenige Leute auflaufen, die kommerziellen Hausmessen der Fotohändler dagegen von Besuchern überschwemmt werden. Am kostenlosen Sensorputzangebot kann es doch nicht alleine liegen, oder?)

Ganz besonders hervorheben möchte ich noch, dass uns Zuhörern nachdem dem Ende des Vortrags und der kurzen Diskussion überraschend die Möglichkeit angeboten wurde, die Ausstellung direkt anschliessend gemeinsam mit der Kuratorin zu besichtigen. Eigentlich war das Museum schon geschlossen und so hatten wir die Räume für uns und konnten in aller Ruhe die Bilder betrachten und vor allen Dingen auch Fragen stellen zu Inhalt und Präsentation der Bilder.
Interessant war dann für mich persönlich, zusätzlich zur eigentlichen Ausstellung, der Kontrast der Bilder zu denen, die ich am Tag vorher gesehen habe. Die Bilder von Chargesheimer waren ja aus einem Zeitraum (um1957), der im Zeitfenster der oben erwähnten Ausstellung in der Villa Hügel lag. Und sie zeigten auch den gleichen räumlichen Bereich. Und doch lagen Welten dazwischen.

In den nächsten Wochen gibt es weitere Abendveranstaltungen zur Ausstellung, die noch bis zum Januar 2015 (Aktuell: verlängert bis 17.02) läuft. Am 03.12. werde ich mir, wenn nichts dazwischen kommt, die Diskussion zum Thema „Das fotografische Bald des Ruhrgebiets im Strukturwandel“ ansehen. Noch jemand?

Meine anderen Berichte über Fotoaustellungen

/ 22. Jun 2016

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