Das Salz der Erde

Wim Wenders bei der Premiere "Das Salz der Erde" in der Lichtburg in Essen

Wim Wenders in der Lichtburg.

Gestern abend fand die Deutschlandpremiere des Films „Das Salz der Erde“ von Wim Wenders in der Lichtburg in Essen (übrigens mein Lieblingskino) statt. Der Film zeigt das Leben und die Bilder des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Es geht dabei glücklicherweise weniger um das „Wie“, wer sich also fotografische Tricks abschauen will, ist hier eher fehl am Platz.
Eine bedeutende Rolle spielen in dem Film dagegen das „Was“, das „Warum“ und vor allem das „Wer“. 

Der Film

Salgados Leben wird überwiegend anhand seiner Fotoprojekte und einiger Filme (darunter privates Material aus der Vergangenheit und aktuelles dokumentarisches Material, dass sein Sohn gefilmt hat, der zum Teil auch als Sprecher im Film zu hören ist und Co-Regisseur war)  mehr oder weniger chronologisch erzählt.


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Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Paris ist Salgado durch seine Frau zur Fotografie gekommen. Er fand nach ersten Schritten in der Sport- und Portraitfotografie sein Thema als Zeuge wichtiger Ereignisse – internationaler Konflikte und Kriege – und ihrer Folgen: Hungersnöten, Vertreibung, Elend und Leid. Um diese Themen kümmerte er sich in zum Teil mehrjährigen Projekten, durch die er oft auch lange von seiner Familie getrennt war.

Afrika bildete das Zentrum seines Interesses, aber auch von anderen Kontinenten hat er berichtet. An den grausamen Erlebnissen speziell im Bürgerkrieg von Ruanda ist er seelisch fast zugrunde gegangen und hat sich danach lange nicht mehr mit der Fotografie beschäftigt.

Stattdessen widmet er seine Energie dem Schutz und vor allem dem „Wiederaufbau“ des Regenwaldes in seiner Heimat Brasilien. Durch diese Beschäftigung mit der Natur fand er zu seinem neuen Thema, dem Fotoprojekt „Genesis“. Seit mehr als einem Jahrzehnt dokumentiert er nun die unberührten „paradiesischen“ Orte unsere Erde.

Weite Teile des Film bestehen aus den bestechend ästhetischen Bilder Salgados (unfassbar, wie viele dieser Bilder er fotografiert hat, viele wären froh, in Ihrem Lebenswerk auch nur einen Bruchteil davon aufweisen zu können), die auf der riesigen Leinwand der Lichtburg noch einmal eine zusätzliche Kraft entwickeln.
Diese Fotos wurde beim Filmdreh mit einer Art Teleprompeter auf eine Glasscheibe projiziert. Auf der einen Seite filmt die Kamera diese Bilder, auf der anderen Seite der Glasscheibe ist Salgado und erläutert die Geschichte(n) hinter und zwischen den Bildern. Die Kamera kann so durch eine Schärfeverlagerung das Foto zeigen oder Salgados Gesicht über dem dann unscharfen Foto schweben lassen. Eine interessante Technik, die mich an einen Dokumentarfilm über Pablo Picasso erinnert, der auf eine Glasscheiben malend von der anderen Seite der Glasscheibe gefilmt wurde.

Diskussion

Wenn bei Premieren der Regisseur anwesend ist, gibt es nach der Vorführung zum Glück oft die Möglichkeit zur Diskussion und zu Nachfragen, so auch gestern in der Lichtburg. Natürlich wurden Fragen zum Film und zu Wim Wenders Beziehung zu Salgado gestellt, aber es kamen auch kritische Stimmen zu Salgados Fotografie.
Seine Fotos aus den Kriegs- und Krisengebieten sind und waren ja nicht unumstritten, das zeigte sich jetzt in der Diskussion mit Wim Wenders. Auch hier kam aus dem Publikum wieder der Vorwurf, das die sehr ästhetischen Aufnahmen das Leiden der Menschen eher verbergen. Die gleiche Diskussion haben wir Fotografiestudenten schon „damals“ u.a. anhand der Bilder von Salgado geführt. Doch was wäre die Alternative? Sollte das Elend und Leid schlecht und hässlich oder abstoßend fotografiert werden. Oder gar nicht?
Die Fragen bleiben offen und werden sicher auch noch zukünftige Fotografen beschäftigen.

Mich hat neben der Ästhetik der Bilder am meisten die Energie des Fotografen und sein extrem entschlossener Einsatz für seine Projekte fasziniert.

Ab Ende Oktober ist der Film in den Kinos zu sehen.
Kurz und knapp: ansehen!


Aktualisiert: In der ARD Mediathek kann man ein siebenminütigen Video, überwiegend Ausschnitte aus dem Film, sehen

Weiter aktualisiert: Hier ist die Website zum Film.


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/ 17. Apr 2015

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