Ausstellung Robert Frank

Illustration zur Ausstellung Robert Frank im Museum Folkwang

Ausstellung Robert Frank im Museum Folkwang

Da gibt es eine große Einzelausstellung eines meiner Lieblingsfotografen quasi direkt bei mir um die Ecke und ich habe noch nichts darüber geschrieben? Das geht ja gar nicht!
Also dann:
Seit Mitte April ist im Essener Museum Folkwang die Fotoausstellung Robert Frank. Books and Films, 1947–2014 zu sehen. Bisher habe ich es leider erst einmal in diese Ausstellung (ich habe zur Zeit etwas zuwenig Zeit) geschafft, aber ich werde sie sicher noch öfter besuchen, mich beeindrucken und berühren (ja ich weiß, hört sich pathetisch an, ist aber so) die Bilder von Robert Frank.
In der Frank-Ausstellung „Hold still – Keep going“ im Jahr 2000 (?) war ich damals auch mehrmals und es ist bis heute in der Rückschau immer noch eine meiner absoluten Lieblingsausstellungen.

Zu Robert Frank und zur Ausstellung

Der 1924 in der Schweiz geborene und in New York und Malibou lebende Robert Frank gilt als  einer der wichtigsten lebenden Fotografen. Insbesondere mit seinem als Buch veröffentlichten Projekt über die USA der späten 50iger Jahre, „The Americans„(*) hat er Fotografiegeschichte geschrieben und viele Fotografen beeinflusst.

Seine Art der Fotografie veränderte sich im Laufe der Jahre immer weiter, weg von der subaktuellen und subjektiven Reportagefotografie (er wird auch gerne unter Streetphotography eingeordnet) der 50iger Jahre hin zu einer eher das Medium selbst und die eigene Persönlichkeit und die persönliche Geschichte reflektierenden Fotografie. Diese Veränderung führte ihn schon bald ein Stück weg vom Standbild und hin zum Bewegtbild, schon frühe Fotos waren fast wie Standbilder eines Roadmovies „filmisch“ fotografiert.

Robert Frank From the Bus, New York, 1958 Bromsilbergelantie Museum Folkwang Robert Frank; courtesy Pace/McGil Gallery

Robert Frank
From the Bus, New York, 1958
Bromsilbergelantie
Museum Folkwang
Robert Frank; courtesy Pace/McGil Gallery

Natürlich sind im Museum Folkwang viele Arbeiten aus den frühen Jahren zu finden. Aber das Thema erstreckt sich über den gesamten Zeitraum von 1947 bis heute (bzw. 2014) und gibt so einen tiefen Einblick in das Schaffen (und damit auch in das Leben) des Künstlers.

Hintergrund

Die fast schon beiläufig wirkende und doch sehr durchdachte Präsentation der Bilder ist ein sehr wichtiges Statement des Künstlers. Robert Frank hat diese Ausstellung zusammen mit dem Verleger Gerhard Steidl selber entwickelt und dabei einige Sachen bewusst ganz anders als sonst üblich gemacht. Durch den hohen Wert der Fotografien und die damit zusammenhängenden hohen Kosten für Versicherung und die Pflege der Bilder wird es immer schwieriger die Originale präsentieren zu können. Andererseits sind es aber doch „nur“ Fotos.
Um dieser „Musealiserung“ seines Werkes entgegen zu arbeiten, haben Frank und Steidl die Bilder dieser Ausstellung nicht wie sonst üblich in Rahmen und Passepartouts hinter Glas gepackt.
Stattdessen wurden bekannte und unbekanntere Bilder in Gruppen (neu-) arrangiert. Und diese Gruppen wurden dann gemeinsam per Inkjet auf bis zu 4m lange Bahnen (billigen) Zeitungspapieres gedruckt. (Robert Frank: „Cheap, quick, and dirty, that’s how I like it!“)
Auf diese Art verliert das Kunstwerk natürlich ein Stück seiner Aura (wirklich?), wird aber andererseits auch direkter erfahrbar. (Ich habe mich trotzdem nicht getraut, die Bilder anzufassen. )

Robert Frank Santa Fe, New Mexico Aus dem Buch „The Americans“ (1959) Foto: © 2015 Robert Frank

Robert Frank
Santa Fe, New Mexico
Aus dem Buch „The Americans“ (1959)
Foto: © 2015 Robert Frank

Die in Essen gezeigten Bildergruppen werden konsequenterweise der Vermarktung komplett entzogen, zum Ende der Ausstellung in Essen sollen die Ausdrucke vernichtet werden und für die nächste Station wird dann neu gedruckt.

Durch das Zusammenfassen einzelner Bilder in neue Gruppen auf einer einzelnen Papierbahn passiert aber noch mehr als nur eine „Entmusealisierung“. Die einzelnen Papierbahnen bilden auch eine Art Klammer um Bildgruppen und dadurch ergeben sich neue Zusammenhänge zwischen einzelnen Bildern. Das ist spannend, aber man muss dafür auch etwas Zeit mitbringen.

Die für die Ausstellung genutzten Wände sind ebenfalls untypisch, die Bilder hängen nicht in den „heiligen Hallen“ des Museums, sondern in den großzügigen Gängen.
Das bringt aber leider auch einen Nachteil mit sich, die weiter oben hängenden Teil einer Bildgruppe und der Kontakte kann man an einigen Stellen nur mit recht steilem Blick nach oben sehen, das ist auf Dauer anstrengend. Und manchmal möchte man doch etwas näher heran.

Kontakte

Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass diese von Frank neu inszenierte Reihe von Bildgruppen von einer anderen Art Bildgruppe unterbrochen wird. Man kann mehrere stark vergrößerte Kontaktbögen sehen, die einen kleinen Einblick in die Entstehung und das vorher und nachher der Bilder zulassen. Aus meiner Sicht ist das eine einzigartige Möglichkeit, mehr über einen Fotografen und seine Vorgehensweise zu erfahren, die leider im Zeitalter des digitalen Bildes immer stärker verschwindet. (Siehe auch meinen Text zum Thema „Das Verschwinden der Kontaktbögen“ im „Fotolehrgang im Internet“)
Ich bin sehr froh, dass Kontaktbögen gezeigt werden und es dürften gerne noch mehr sein.

Film und Video

Das bewegte Bild spielte im Laufe des Lebens von Robert Frank einen immer größeren Anteil. Viele seiner Filme werden im Rahmen der Ausstellung in einer Art Endlosschleife in einem separaten Raum im Museum gezeigt. Das ist ganz großartig, denn ohne die Filme hat man quasi ja nur den halben Frank.
Aber leider habe ich keinen Hinweis entdecken können, dem man entnehmen könnte, welches Video gerade läuft und welches dann folgen wird. Eine Art „Programmzeitung“ für die Filme wäre wirklich angebracht. (Und leider fehlt wieder oder immer noch der Film „Cocksucker Blues“, der 1972 auf der Tour mit den Rollings Stones entstand. Den würde ich doch gerne endlich mal sehen.)

Ergänzung

Da das Museum Folkwang einige Originale von Robert Frank besitzt, werden diese in einem speziellen Raum etwas getrennt von der Ausstellung gezeigt. Wer also dann doch noch etwas „Aura“ verspüren will, kann dieser Lust dort nachgehen.

Katalog

Robert Frank prüft den Andruck der "Süddeutschen Zeitung" Mabou/Kanada, September 2014 Photo: © 2015 Gerhard Steidl

Robert Frank prüft den Andruck
der „Süddeutschen Zeitung“
Mabou/Kanada, September 2014
Photo: © 2015 Gerhard Steidl

Auch beim Katalog zur Ausstellung gehen Frank und Steidl einen etwas anderen Weg.
Es ist dabei nicht, wie sonst oft üblich, ein dicker (und teuerer) Wälzer heraus gekommen, sondern der Katalog ist im Format und in der Druckqualität wie eine Tageszeitung. Und auch die Kosten sind mit 2,60€ bezahlbar. Allerdings kann man ihn nur vor Ort im Museum kaufen.
Aber das ist eigentlich nur ein weiterer Grund, sich diese hervorragende Ausstellung live anzusehen.
Und ich werde dass demnächst auch (mindestens) noch einmal machen. (Ich habe nichts gegen Begleitung, wenn Du mitkommen willst, schreib mir eine Email oder hinterlasse einen Hinweis in den Kommentaren.)

Infos zur Ausstellung

Öffnungszeit
Di, Mi 10 – 18 Uhr
Do, Fr 10 – 20 Uhr
Sa, So 10 – 18 Uhr
(auch Fronleichnam, bis zum 16.08.2015)

Besucher- und Postanschrift
Museumsplatz 1, 45128 Essen

Internet
http://www.museum-folkwang.de/tr/ausstellungen/aktuell/robert-frank.html

(BTW: Danke an Frau Sandfort (ich hoffe, ich habe mir den Namen richtig gemerkt) für die interessante Führung.)

Meine anderen Berichte über Fotoaustellungen

 


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/ 22. Jun 2016

2 Gedanken zu „Ausstellung Robert Frank

  1. Matthias Strötges

    Interessante Beurteilung!#
    Ich hatte letztens Besuch aus München, der sehr foto-interessiert ist und sich die Ausstellung – allerdings ohne mich – angesehen hat. Er war sehr enttäuscht, weil das alles nicht ECHT gewesen sei und nur Abbildungen von Fotos…
    Ich könnt es eh nicht beurteilen, tat mir nur leid um seine Enttäuschung.

    Gruß
    Matthias

    Antworten
    1. Tom!Tom! Beitragsautor

      Hallo Mathias,
      es tut mir leid, dass Dein Besuch enttäuscht war. Aber es sind tatsächlich die echten Fotos, denn so, wie sie da hängen, hat der Fotograf es gewünscht, er selber hat diese Art Bildpräsentation konzipiert und gewollt.
      Allerdings bewegen wir uns bei dem Begriff „echt“ in Zusammenhang mit Fotos in einem schwierigen Gebiet.

      Schönen Tag noch!
      Tom!

      Antworten

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